Meine Reise auf dem Jakobsweg
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Der Weg windet sich einen kleinen Abhang Richtung Wäldchen hoch – obwohl noch früh am morgen bin ich froh, dass mir die Sträucher und Heckenpflanzen zu meiner Rechten Seite etwas Kühlung mitgeben.
Die Hecke verschwindet – ein Steinbruch! Rasch gehe ich weiter, möchte mich wieder in der Illusion von der heilen „Weg-Welt“ hingeben. Nun gehts immer mehr hügelan – auf halber Höhe drehe ich mich um: Schon weit hinter mir Fribourg, und einige Häuser von Villars s/Glâne, ich frage mich, wie ist es möglich, dass hingegen Heitenried nie verschwinden wollte? Der Bahndamm, wo ein Doppelstöckiger IC auf dem Weg nach Lausanne ist.
Der Feldweg quert ein Strässchen, und führt weiter oben dem Waldrand entlang.
Die hohen Bäume versprechen Schatten und etwas Kühlung, und dankbar nehm ich die Atempause an.
Mittlerweile führt der Weg etwa in den Wald, ich komme heraus, oben auf einem Hügel – die braunen Schilder mit der Muschel! Grad neben dem Wegweiser eine Pappel. „Schwester – dank für Deinen Schatten“ – ich setze mich, und lasse mir meinen Gruyère und mein Brot gut schmecken. Noch einen Schluck mehr Wasser – den Becher nun an den Gürtel, Stab in die Hand. Vor dem Wegweiser zögere ich. Zwei Wegweiser – einer weist zur Abbaye Hautrive, einer direkt nach Romont. Nach einigem hin und her entschliesse ich mich, anhand der Info aus meinem Wanderführer, dass der Umweg sich lohnt, und nur 2h länger dauert, über die Abbaye Hauterive zu wandern.
Gegen Mittag komme ich an der Landwirtschaftlichen Forschungsanstalt vorbei, und musste auf dem Weg durch das Dörflein etwas sehr erfreuliches feststellen: Berner Bauern lassen ihre Hunde frei laufen, und harmlose Pilgerinnen verbellen, bis sie sich endlich herausbequemen, den Bless am Halsband nehmen und mich weiterziehen lassen. Die Fribourger Hunde sind entweder angebunden, so dass sie bis zur Strasse kommen, mich aber nicht mehr die andere Seite das Bord hoch jagen können, oder sind so müd und faul (was bei der Hitze ja auch kein Wunder ist), dass sie mir lediglich ein Auge und ein Ohr widmen, und dann beides sogleich wieder schliessen, bzw hängen lassen.
Endlich – der Taleinschnitt zur Abbaye Hauterive.
Die Abteil liegt idyllisch auf dem Talgrund, ich betrete das Gelände durch eine kleine Einlasspforte, und mache mich auf den Weg zum Hauthaus.
Einlass wird bis um 12h Gewährt, es ist kurz vor zwölf.
Ein freundlicher Mönch nimmt mein Buch entgegen, und stempelt es, und reicht es mir mit einem Reisesegen wieder.
Ich besuche die Kirche, zünde eine grosse Oelkerze an.
Beim Verlassen denke ich: Zu Schade, dass ich weitermuss, gerne hätte ich hier Rast gemacht.
Eine Kurze Rast gönne ich mir dennoch: Ich setze mich auf eine Bank unter einen Baum, und geniesse noch für kurze Zeit die Stille und den Frieden, den mir dieser Ort bietet.
Der Aufstieg aus dem Tal ist strenger als gedacht, ich bin froh über meinen stabilen Haselstab.
Wieder unterwegs ist mir noch etwas Schatten vergönnt, und als ich den Wald umrundet habe – breitet sich vor mir das Fribourgerland aus.
Hügel über Hügel gleissen in der Sonne – und weit weit weg, aber doch schon näher als von vor St.Apolline aus gesehen, einer Fata Morgana gleich: Romont!
Ab nun heisst es Sonne pur, ich bin dankbar für meinen grossen Strohhut. Trotzdem, in Posieux, welche angeblich eine berühmte, aber leider geschlossene Kirche hat, wasch ich mir an einem Brunnen die Hände, und creme mir Hals, Nacken, Gesicht und Arme mit Sonnencrème ein. Leider hat der Primo über Mittag zu, Frische Kirschen hätten mich „schampar gluschtet“. Also marschier ich ohne Kirschen weiter. Beim nächsten Brunnen fülle ich meine Flasche wieder auf, und tauche meine Aermel bis über die Ellbogen ins Wasser.
Nun geht es durch Dörfer und Weiler – mein nächstes Ziel: Die Kapelle von Posat. Wieder werde ich von Muscheltragenden Velofahrern mit einem fröhlichen Ultreia - überholt, ich winke hinterher!
Mir ist fröhlich zumut – Laufen, an nichts anderes denken müssen, als bis zur nächsten Kapelle, der nächsten Kirche, immer den Weg und die Wegweiser vor Augen.
Beim Croix d’Or, einer Herberge, welche auf ehemaligen Klostermauern erbaut ist, biege ich ab – und da steht auch schon die Kapelle zu Posat! Ich betrete die Kapelle – kühl ist es, und sehr still. Für Pilger hat es ein Buch, und ein Stempelkissen und den Stempel. Ich lege für einen Augenblick Tasche, Flasche und Stab nieder – den Hut hab ich mir wie bei jedem Betreten einer Kirche abgenommen – und blättere durch das Buch.
In vielen Sprachen und von vielen Händen geschrieben – Wünsche für eine gute Reise, Trauriges, Hoffnung, Freude – alles auf einmal spricht aus dem Buch. Auch ich lasse einige Zeilen darin stehen, stemple mein eigenes kleines Büchlein ab, und hänge mir meine Tasche wieder um.
Draussen an der Quelle, deren Heilwasser wegen die Kapelle selbst ein Wallfahrtsort wurde, fülle ich meine Flasche, und denke an das, was wohl die Quelle erzählen könnte...
Nun geht ein steiler Weg ins Tobel der Glâne hinab – ich beneide die Velofahrer gar nicht. Schmal und da im Schatten relativ schlüpfrig, vorsichtig taste ich mich hinunter. Quer zum Weg, eine Hand am Geländer, den Stab fest in den Boden gestützt. Unten führt eine Holzbrücke, von den Lehrlingen der UBS (das stand da so) gestiftet. Ueber die Brücke, über die Glâne... Wo war das auch? Über die Brücke! Über die Brücke! – in der Schule, die Beresina! Wie Ameisen rasen meine Gedanken – wie Ameisen tragen sie kleine Lasten – in meinem Fall Erinnerungen – lassen sie wie zufällig wieder auftauchen.
In der Mitte der Brücke bleibe ich stehen – Arme aufs Geländer gestützt. Der Blick in die Glâne beruhigt – doch noch immer jagt ein Gedanke den anderen. Telegraphenmast – der Aabach im Sommer, wie wir nach dem Schwimmen bös nach Algen gestunken haben, der Rosengarten des alten mittlerweile verstorbenen Nachbarns, der Rosengarten meines Grossvaters, das erste Velo ohne Stützräder, das Ueben auf dem Vorplatz vom „Rosenstock“! Wieder konzentriere ich mich auf die Glâne....Ein Teil eines Gedichtes schiesst durch meinen geplagten Kopf: Ever flowing, ever growing, ever changing. Ich habe keine Ahnung mehr woher, aber es beruhigt. So wie das Wasser, immer weiter und weiter zieht, so geht der Wanderer seinen Weg, so geht der Mensch durch sein Leben. Zurück geht nicht – ich muss akzeptieren, dass ich nun erwachsen bin, und kein Kind mehr dass im Bach schwimmt. Mein Grossvater ist eine Umdrehung des Rades weiter, auch er kann nicht zurück.
Ich verlasse dir Brücke, steige hügelauf. Ein steiler Stotzen – aber beim zurückschauen denke ich mir: So ist das leben – bergauf, bergab, mal auf schlipfrigen Wegen, mal über eine schöne neue Brücke...
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Wer schon aufgibt, hätte gar nicht erste anfangen dürfen...
Das klang mir beim Einschlafen noch nach. Ich schlief tief und fest, und erwachte gegen 7Uhr dank der sehr lärmigen Schulklasse im Couloir der Jugendherberge.
Schnell bin ich vom Etagenbett gekraxelt, ins Unterhemd und Schuhe gestiegen. In der Toilette - husch husch – Zöpfe flechten, Aufstecken, Gefrens und Haube, rasch die Linsen – weiter weiter!
Beim Frühstück – Confiture und Buttter und Thee von der Jugi, und Glutenfreies Brot aus meinem Beutel, feiner Milchkaffee. Der Herbergsvater öffnet extra für mich noch ein Glas Aprikosenkonfitüre – ich müsse doch noch so weit gehen! Auf seine Aufforderung hin mach ich mir noch ein Aprikosenbrot zum mitnehmen. Mittlerweile ist es 0830h – es schein sehr heiss zu werden, Zeit zum Aufbruch.
Toc!-taptaptap-toc! Mach ich mich auf den Weg. Glücklicherweise hab ich einen Wanderführer für den Jakobsweg, mit einer sehr detaillierten Beschreibung, wie man aus Fribourg wieder herausfindet! Sehr verwirrend! Auf der „Rückseite“ vom Bahnhof poltert die Wasserflasche aus dem neuen Brettchengewobenen Halteriemen. Glücklicherweisel aus PET, also Bruchfest. Aus der Stadt zum grossen Kreisel Richtung Villars zu finden – das war ja schon eine Sache für sich – aber endlich! Das grosse Wegkreuz links auf der Seite des Kreisels! Die Sonne im Rücken überquer ich die Strasse, da! Der Wegweiser – ein Waldweg, und weitergehts!
Ich bin in Aufbruchstimmung, freu mich riesig über den Waldweg – Stadtasphalt und Mittelalterlederschuhe vertragen sich nicht so ganz.
Der Waldarm erstreckt sich bis über die Ortsgrenze von Villars s/Glâne – eine Schulklasse kreuzt meinen Weg – staunende Blicke von den Kindern, grüssende von den Lehrern. Beim Weitergehen hör ich noch den Lehrer mit einem Verweise auf mich und den Wegweiser den Kindern die Idee des Jakobsweges erzählen.
Nun geht es Hügelabwärts. In der kleinen Kirche von Villars, nach ca einer halben Stunde nach Aufbruch in Fribourg, mache ich kurz Pause, und bewundere die Glasmalereien. Wunderschöne – modern, aber Farbenfroh und Hoffnungsgebend. Ich umrunde den Kirchhügel und halte auf die Kreuzung zu.. schon will der Morelli des letzten Abends wieder die Fühler ausstrecken, in einem Anflug von Panik seh ich den Wegweiser nicht! Plötzlich zischen zwei Velofahrer an mir vorbei, gradaus über die Kreuzung, auf die Unterführung im Bahndamm zu. Ich schau Ihnen nach – und muss lachen! Beide haben eine Muschel an ihre Velotaschen geheftet! Ich spure ebenfalls auf den Weg ein und: voilà! – da ist der Wegweiser! Ich hatte auf die Schmalseite geguckt, und natürlich nichts gesehen!
Von der anderen Seite des Bahndammes aus seh ich weit weit weg eine Stadt auf einem Hügel – eine Fata Morgana? Romont? Und wenn schon – Weiter! Das Wetter verspricht schön zu bleiben, wenn ich zulaufe, bin ich gegen 17h in Romont, selbst mit einer Pause über Mittag!
Ich passiere einen Bauernhof – zwei Damen stehn draussen, die Lautstarke Disskussion dreht sich darum, ob eine „Pélerinage“ mit dem Velo durchgeführt überhaupt gültig sei. Toc-taptaptap-Toc-taptaptap. Eine fragt die andere „Glaubst Du denn, wir sind noch im Mitteltalter – klar gilt das Velo! Oder wie stellst Du Dir einen Pilger denn sonst vor?“ Schon bin ich vorbei, als ich ein lautes: „Genauso!!“ höre.. Schmunzelnd gehts weiter Hügelab – durch einen winzigen Weiler. Alte Häuser, weiss getüncht, mit roten Ziegeln. Ein Gehege einer Hundezucht, ein Jugendlicher auf seinem Bike, der Brunnen. Ich fülle meine Flasche wieder bis zum Rand – Romont ist noch weit – und weiter nach St Apolline! Eine hübsche geschwungene Steinbrücke führt mich zur kleinen Kapelle, ein hübscher Weg führt Hügelan!
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Nun endlich gehts weiter mit dem Bericht – es war eine recht turbulente Zeit, die letzten paar Monate, so dass ich nicht dazu gekommen bin, weiterzuschreiben. Der letzte Bericht endete ich Stotzen auf dem Weg nach Heitenried:
Oben ist ein relativer Begriff, denn es würde ja noch weiter in die Hügel gehen – aber die Höhe für Heitenried haben wir erreicht.
Durch eine kleine Wohnstrasse halten wir auf das Zentrum zu – mein Begleiter samt Hund geht nach rechts, ich nach links in Richtung St. Antoni. Nun, ohne Ortskundigen Begleiter muss ich rasch die Karten durchsehen. Das richtige Blatt ist bald gefunden, und ich halte weiter in Westen zu.
Kurz nach Ortseingang komme ich an ein richtiges Wegweiser-chrüsimüsi. Kirche liegt gradaus. Tafers und Fribourg genauso. Und die Jakobsmuschel zeigt links, Hügelan.
Also lass ich mal meinen Verstand aussen vor, und folge der Muschel.
Um mich dann total zu verlaufen! Durch ein Wohnquartier und einen beinahe nicht mehr existenten Trampelpfad durch Wald und Brombeerhecken lande ich plötzlich auf einem gemähten Rasen – Ach Du Schreck, ich steh ja jemandem im Garten!! Beim Bauernhaus frage ich nun nach dem Weg, denn ich habe zwar eine Vermutung, wo ich bin, aber eben – verfranst ist da nur der Vorname.
Die beiden sehr freundlichen Damen scheinen sich nicht gross zu wundern, was eine mittelalterlich gewandete Pilgerin auf ihrer Wiese zu suchen hat, bzw sie verstecken es sehr gut. Schnell ist mir der Weg erklärt und mit „Gottes Segen“ mach ich mich wieder auf den Weg. Ich hätte doch der Logik folgend an der Kirche vorbei durchs Ortszentrum gehen sollen – in Zukunft muss ich besser aufpassen!
Der Weg geht durch den Wald, erst wieder etwas bergauf, bis ich den eigentlichen Hauptweg wieder treffe, und erneut absteige. Aus dem Wald kommend, quere ich die Haupstrasse, und folge nun einem hübschen kleinen Feldweg, der paralell zur Hauptstrasse neben einem kleinen Bach verläuft. Die Sonne steht schon tief im Westen, aber abgekühlt hat es nicht. Hingegen blasen die Biker und die Mücken zum Hallali. Es ist ja schon embêtant genug, dass dieser wirklich hübsche Weg sehr hübsche kleine Steinchen hat, die alle schön hübsch in meine Schuhe wollen, aber, wenn ich nach dem 3. Biker beinahe im Bachbett lande (und wohlgemerkt, das Weglein war knappe 50cm breit und _Fahrverbot_ , dann wird auch eine friedliche Natur langsam so gereizt, dass ich Biker Nummer 4 am liebsten den Wanderstab in die Speichen geworfen hätte. Allerdings ging das auch perfider. Und zwar so, dass ich keinen Milimeter von meinem Weg abgerückt bin. Wer hat nun die stärkeren Nerven? Eine Pilgerin schon beinahe auf 180, oder ein Biker? Antwort: Unterschätze niemals verrückte mit Strohhüten und Wanderstäben... Der Biker musste Notbremsen, mir den Weg freigeben, und sich ein Gepfnutter über Fahrverbotstafeln und Blinde, die Vélofahren anhören..
Nach Biker No 5 und 6 muss ich zurück auf die Hauptstrasse, und ein Blick auf die Karte sagt mir: noch ca 1.5h zu gehen – und alles auf der Hauptstrasse, auf der mittlerweile der Feierabendverkehr losgelassen wurde!
Nein – ich konnte nicht mehr. Ich war auf 180 – Müde, und nun noch der Spiessrutenlauf auf einer Strasse ohne Trottoir mit Autos die 80 oder drüber fahren – Nein!
Ich hab mich hingesetzt, erst mal ein Stück Brot und Käse gefuttert, etwas getrunken.
Langsam klang die Wut ab – ich ärgerte mich vor allem über mich selbst. Links war eine Bushaltestelle, und dort weit hinten an der Biegung biegt ein Gefährt der TF um die Ecke – Ich kapituliere für den Abend, und steige in den Bus.
Der bringt mich bis Fribourg Gare, in gerade mal 15 Minuten.
Im Bahnhof: rein in den Aperto, Duschmittel besorgt. Dann in die Jugendherberge.
Ich beziehe mein Bett im 6er Schlag, und möchte eigentlich nur eine ruhige Dusche und etwas essen.
Die ruhige Dusche wurde dank einer ganzen Schulklasse etwas laut, und die Mädels fanden es sehr „komisch“, dass ich mich mit meinem Unterkleid abtrocknete, es dann wieder anzog, Kleid überstreifte, und Barfuss und ohne Haube den Herbergsleiter frage, wo ich am ehesten was zu essen finden könne.
Schlussendlich lande ich beim Chinesen, wo ich ein köstliches Mahl zum Mitnehmen erstehe. Die Wirtin war entzückt, dass ich „mehr Reis“ wünschte, denn das sei doch selten.
Im Hof der Jugendherberge setzte ich mich unter den grossen, schön ausladenden Baum, und geniesse mein Essen. Wie gut gekochter Reis doch schmeckt! Ich merke erst, wie hungrig ich bin, und verputze die ganze Riesenportion.
Aber irgendwie fühl ich mich gefrustet. In der Ganzen Etappe war irgendwie der Wurm drin – nur ganz kurz hat mich wirklich das „ich bin unterwegs, und ich kann es schaffen“ Gefühl gepackt. Ansonsten Verwirrung, Aerger, Wut, Enttäuschung. Ja, ich bin enttäuscht. Und zwar von mir.
Ich packe die Webarbeit aus, und setze mich hin. Möchte wenigstens für diesen Abend noch etwas schaffen, etwas zu Ende bringen.
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Was nun alles mitgekommen ist:
Im Brotsack:
- Wanderkarten (welche einen Grossteil des Gewichts ausgemacht haben..)
- Reisetagebuch
- 1 Gruyères salé
- 1 Pack Glutenfreies Brot
- Similasan Sommerapotheke
- Sonnencrème Daylong 25
- Zahnbürste
- Zahnpasta
- Reiseführer
- ausgedruckte Infoblätter
- Rot/blaue Double-Face Webarbeit (ich konnte eben nicht anders)
Im Almosenbeutel (dem Beutel, den frau am Gürtel trägt)
- Schreibzeug
- GA *
- Portemonnaie
- Schlüssel
- Haarnadeln
An hatte ich:
Unterkleid, Rotes Wollkleid, Schuhe, Gefrens und Haube.
Die Schaube lag zumeist gefaltet auf dem Brotsack drauf.
In Ermangelung einer neuen Kürbisflasche hab ich mir eben eine Petflasche mit Einkerbung besorg - die ging auch als Notfalllösung (aber ich hab mittlerweile eine schöne Pépin-Feldflasche)
* Für Nicht-Schweizer: Ein Bahnabonnement, mit dem ich freien Fahrt für ein Jahr habe
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Endlich komme ich dazu, etwas über meine erste Etappe zu schreiben
Angefangen hat es - wie beim mir üblich, mit einem Spurt auf den Zug nach Bern. (ich wollte eigentlich auf den ersten Frühzug, hatte dann aber Formvollendet verschlafen)
Ab Bern dann mit dem Bähnchen weiter nach Schwarzenburg. Etwas seltsam bin ich mir schon vorgekommen - im langen Kleid, weisser Haube, dem Strohhut und dem Pilgerstab. Am Bahnhof bin ich erst auf die Post gegangen, um mir die Station per Poststempel bestätigen zu lassen, dann noch an den Kiosk, wo ich mir 2 Bounty (wie un- "A" - aber ich mag die Dinger) und 1 kleine Kamera gekauft habe.
Dann ging es definitiv los. Seit wievielen Jahren hab ich keine Wanderkarte mehr in den Händen gehalten? Seit zuvielen. Das steht fest! Vom Bahnhof her ging es Strässchen abwärts, danach der leicht ansteigenden Strasse Richtung Bern entlang. Mein erstes Ziel war der Weiler Wart, wo der eigentlich Weg "beginnt". Alas - bis ich alleine den Abzweiger nach Wart gefunden hatte... dabei war ich mal Schulerste im OL!
Jedenfalls gerade als ich bei einem Abzweiger der Hauptstrasse an meiner Karte herumrätselte, hob ich den Kopf und: Sah einen unschuldigen braunen Wegweise, mit der Muschel drauf. Kam ich mir vielleicht komisch vor!
Anfangs war mir sogar das Geräusch von meinem Wanderstab peinlich - das Tac 1-2-3 Tac 1-2-3.. bei jedem 4. Schritt.
Aber schon kurz vor Wart wurde das zur Nebensache, und während die kleine Strasse zwischen Feldern Hügelab Richtung Sense führte, fand ich meinen Rythmus, und es lief.
Die Reise hatte begonnen!
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In Wart richtete ich mich nach den gelben Wanderwegzeichen, und - den Göttern sei\'s getrommelt und gepfiffen - ich fand meinen Kartenlesverstand wieder! Auch hatte ich auf meiner Karte (1:25 000 Blatt 1186 Schwarzenburg) den Weg schon mit Bleistift vorgezeichnet - so dass ich nicht unterwegs gross studieren musste. Ich muss sagen - ich weiss, warum ich die 25000er Karte mag - jedes Brüggli, jeder grosse einzelne Baum und sogar die einzelnen Häuser sind darauf eingezeichnet!
Nach Wart geht es weiterhin bergab - Richtung Sensengraben, Ziel: Die Holzbrücke und damit die Grenze zu Fribourg. Dort wollte ich dann genüsslichst eines meiner Bounty verzehren, vielleicht auch noch ein Stück Gruyères und Brot dazu.
Das Strässchen umläuft sachte die Hügel, in der Wiese ist ein Bauer am Mähen, er winkt mir zu, ich winke zurück. Gruss vom Zurückbleibenden an den Pilger.
Während ich weitergehe, gewahre ich weitervorn einen grösseren Bauernhof - die Strasse scheint dort eine Kurve zu machen - und einen freiherumspringenden Hund, und ich denke nur - Ach Du Schande! Aber - die Götter der Wege scheinen mich erhört zu haben - bevor ich auf das Gelände des Bauernhofes muss, zweigt rechts ein schmales sehr steiles Weglein ab - der braune Wegweiser mit der weissen Muschel weisst mich an, dort abzusteigen; und glücklich dass ich mich nicht dem Hund, und der nervtötenden Warterei auf den Bauern (damit der den Hund wieder einsammelt) stellen muss, beginne ich den Abstieg.
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Der Weg scheint in eine verwunschene Zeit und in eine andere Zeit zu führen - Dünne Aeste bilden einen Tunnel, vorjähriges Laub und hohes Gras in der Mittelnabe. Der Weg ist recht steil - hätte ich normale Wanderschuhe an, wäre ich schnell unten gewesen, aber mit Mittelalterschuhen ist das leichter gesagt als getan. Ich bin froh über meinen langen Stab, als ich mich, quer zum Hang, an den Abstieg wage.
Nach ca 30 Schritten gewahre ich Reste einer einstigen Pflasterung, mit runden, offenbar vom Fluss abgeschliffenen Steinen. Ich freue mich darüber, neusle mitten im Hang die Kamera aus der Tasche und mache ein paar Bilder.
Unten geht der Weg als Waldweg mit Treppenstufen weiter, und ich denke: Wenn alles so wäre!
Ehe ich es mich versehe, bin ich mitten im Tobelabstieg, der Weg führt nun durch lichten Laubwald - aber wehe dem Wanderer, der auf der Hangseite abrutscht! Ich beschliesse, Karte nun Karte sein zu lassen, und einfach weiter Tobelabwärts zu marschieren. Rechts und links vom Weg sind nun Trittsteine (also Hohe Steine, als "Leitplanke", mit Löchern drin für die Trossbegleiter), zum Teil fest zugehauen als Hohlgasse. Wenn ich daran denke, dass auf diesem Pfad einst Fuhrwerke verkehrt sind...
Gerade als ich das dachte, plätschert rechts von mir Wasser, rinnt durch eine gemauerte Rille zu meinen Füssen, und stiebt Tobelabwärts. Vor mir steht eine klitzekleine, gewölbe Brücke, gleich nach der Brücke einige in den Stein gehauene Stufen, die rechts Richtung "Berg" in den Wald abzweigen, und vor mir, die 2001 restaurierte alte "Römerstrasse". (Tatsächlich hat die mit den wirklichen Römerstrassen ausser dem Namen nichts gemein, auch wenn anzunehmen ist, dass schon die Römer diesen Weg gekannt hatten.)
Ab hier hab ich auf der Tobelseite wieder freie Sicht - die Sonne brennt direkt auf den Weg, und auch mich. So dass meine erste Aktion ist: Sonnenhut auf. Der breitrandige Strohhut hat allerdings nur eine Stelle, wo er mir nicht direkt die Sicht verdeckt, so dass das eine 3minütige Affaire wurde, bis der Hut sass, wie er sollte. Dann ein erstes Straucheln - die Strasse, so schön sie auch ist, ist einfach halsbrecherisch!
Anfangs versuchte ich, allem Gesunden Menschenverstand zum Trotz den Weg geradeaus runter zugehen, aber ich musste doch bald erkennen - quer zum Weg und auf den Stock gestützt geht es doch um einiges besser. Sogar die Trittsteine scheinten recht verlockend - wäre es nicht auf der anderen Seite "s\'Loch abgange".
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Endlich auf dem Grund des Sensegrabens! Gleich da, wo der restaurierte Weg aufhört, sind zwei Beton-Uebungs-Gebäude vom Militär, der Weg verbreitert sich, wird zum Platz. Von der Sense her ist Kindergeschrei und Gelächter zu vernehmen - nichts für micht: Sie bleiben, ich gehe.
Also ich den Platz schon beinahe überquert hab, rennt ein schwarzer Labrador auf mich zu, schwanzwedelt, und beschnuppert mich. Sein Meister, ein älterer Herr folgt auf dem Fuss. Er sieht die aufgestickte Muschel auf der Schaube (ich habe die moderne stilisierte Muschel aufgestickt, denn die richtige Muschel gibt es erst in Santiago, aber so bin ich immerhin identifizierbar), begutachtet den Stab, und meint dann: "Das nenn ich aber noch Pilgern!"
Wir vergleichen unsere Ziele - er nach Schmitten, ich nach Fribourg - das heisst, bis Heitenried haben wir denselben Weg.
Anfangs bin ich nicht so glücklich über die Begleitung - wollte ich doch den Weg alleine gehen - zudem wollte ich nun endlich in meinen Trott kommen - und mich nicht schon wieder anpassen. Waren es vorher noch schwierige Wege, sollte es nun ein älterer Herr sein... Mitnichten - der Herr war gut zu Fuss, der Hund zwar weniger, aber weiter gings.
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An der Holzbrücke, konnte ich leider meine gewünschte Pause nicht machen - weiter!weiter! der Abend kommt bald!
Da die Brücke auf dem Talgrund ist, verlangt es die reine Logik des Geländes, dass der Weg nun wieder ansteigt. Das tut er auch - und nicht schlecht!
Anfangs geht es noch - wir folgen dem Wanderweg, den nun statt dem Berner Bären das Schwarz-weisse Fribourger Wappen ziert, an einem kleinen Bauernhof vorbei, wo der Hund im Gemüsegarten gerade hingebungsvoll die Rhabarbern ausbuddelt, und eines kurzen Bellens (wohl der Form halber) würdigt, und weiter buddelt.
Kurz vor der Kantonstrasse gewahre ich ein seltsames Objekt - es sieht aus, wie die Plastik-Nachbildung eines Käfers! Ich weise darauf - mein Begleiter: "Das ist eine Grille!"
Ich denk - "Wie putzig die aussieht - mit dem kugeligen Köpfchen - wie aus einem Kinderbuch!" Sie scheint sich auf dem Kiesweg zu sonnen - als ich noch einen Schritt auf sie zu mache - Ssswwt - ist sich im Gras am Wegrand verschwunden.
Wir queren die Kantonsstrasse, und steigen erneut in den Hoger, auch diesmal auf einer alten Strasse, deren Pflaster aber so überwachsen ist, dass ich ohne grössere Schwierigkeiten hinaufkomme. Allerdings bin ich meinem Stock immer dankbarer, stütze ich mich doch oft genug auf ihn!
Auf halben Stotzen schürze ich nun das Kleid hoch - Zecken hin, Zecken her - ich hab heiss!
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